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01.10.2019Spielbericht Juniorinnen A

Und jetzt folgt die Ernte

So in etwa ist mein Gefühl nach der ersten Runde der neuen Saison zu beschreiben. Was habe ich mich die letzten beiden Jahre hinterfragt: Habe ich das Team falsch eingestellt? War ich zu optimistisch? War ich zu überheblich? Nein – Nein – Evtl. Ja. Was ich auf jeden Fall war: Zu ungeduldig. Mit einem Team von jungen Spielerinnen ist es wie mit gewissen Pflänzchen im Garten. Es reicht nicht, ihm einen schönen Platz zu geben, und es regelmässig zu wässern, es muss ein, zwei harte Winter erleben, um danach vollends zu erblühen. Und dann kann man die süssen Früchte ernten.

Doch von Anfang an: Thank you god for se Doppelrunden – Niid! Es war früher immer ein Kack, es ist jetzt noch ein Kack, und es wird auch immer ein Kack bleiben, vor allem wenn es nur ein Einspielfeld zwischen zwei Matchfeldern für 4 sich einspielende Teams gibt. Doch das ist ein persönliches Problem meiner Einstellung. Anyway, unsere Spielerinnen blieben cool, und haben ihr Einspielprogramm abgespult mit dem Wissen, dass die Energie für den ersten Gegner, die Red Devils von Nöten sein wird. Doch dieses Spiel begann unsererseits recht flott. Klar mehr Spielanteil, einige gefährliche Torchancen, und die Fähigkeit, den Gegner immer wieder zu verunsichern.  Wo wir uns selbst an der Nase nehmen müssen, ist jedoch die Ausbeute. Ein Resultat von 2:1 unsererseits zur Halbzeitpause war in diesem Abschnitt zu wenig. Mit etwas mehr Killerinstinkt vor dem Tor hätten es gut noch zwei mehr sein können. In der Halbzeitpause fand der gegnerische Trainer aber scheinbar die richtigen Worte, die Devils kamen stärker und druckvoller zurück. Wir unsererseits liessen uns davon beeindrucken, und waren mehrheitlich damit beschäftigt, den flinken Stürmern um unser Tor nachzurennen, was schnell einmal auch in einem Gegentor resultierte. Doch auch da haben unsere Mädels dazugelernt, und eine Reaktion gezeigt, innert kurzer Zeit stand es vermeintlich sicher 5:2 zu unseren Gunsten. Doch die Aufsässigkeit der Devils, sowie eine Strafe von der Marke „hätte jetzt nicht unbedingt sein müssen“ gegen uns, glichen das Spiel sowie das Resultat aus. Zudem war auch zunehmend zu erkennen, dass die Eschenbacher Mädels an ihren Kräften zerrten. Die letzten 10 Spielminuten arteten somit auch zu einem Krimi aus, bei welchem beide Trainer wohl um 5 Jahre gealtert sind (bei mir macht das nichts, ich habe ein George Clooney-Face). Am Ende mussten wir dem Gegner zu einem hart erkämpften, aber nicht unverdienten 7:6 Sieg gratulieren. Aber was unsere Mädels da gezeigt haben, war ganz grosses Kino. Nahezu alle Facetten (bis auf die Freistösse), welche im Training praktiziert wurden, haben sich nun in das Spiel eingearbeitet. Da kommt einem Trainer das Augenwasser wie beim Zwiebelschneiden unter der Föhnhaube.

 

Nach einer Spielzeit Pause mit Aufladen der Batterien über Sonnenenergie (ja, unser Team funktioniert nachhaltig), hiess der zweite Gegner des Tages Opfikon-Glattbrugg, ein mittlerweile für uns nicht mehr unbekanntes Team. Im Gegensatz zum ersten Spiel war dieses schon von Anfang an hart umkämpft, und beide Teams mussten regelmässig von Angriff in Abwehr umschalten. Eine hatte dabei besonders Freude daran, dem gegnerischen Torwart die Bälle um die Ohren zu pfeifen: Was für Daria das Frühstück (die hat heute übrigens auch wieder ihre 4 Rahmen montiert – on fire), scheint für Corina der Tanz am Abend zuvor, zu sein. Stark, wie sie sich in dieser Phase in Szene setze. Und jetzt kommt’s: Was ist geiler, als wenn eine Idee aus dem Training im Spiel funktioniert? Richtig, nichts! (Ausser jemand hatte jetzt Jane Fonda beim Einräumen der Sockenschublade im Kopf, das gibt einen Kreativitätspunkt von mir.) Hintergrund aus dem Training: „Wenn bei der Auslösung alle Passstationen blockiert sind, und ihr auch nicht laufen könnt, dann spielt den Ball doch einfach einmal hoch vor das gegnerische Tor, wenn genug Verkehr davor herrscht, kann er auch mal den Weg in den Kasten finden.“ Nadine genau in dieser Situation, spielt den Ball hoch, und der landet doch tatsächlich in einem schönen Bogen zwischen Kopf des Goalies und Latte im Netz! WHAT A KISCHTE, MÄDEL! Für alle die sich das jetzt nicht genau vorstellen können: Stellt euch in die entfernteste Ecke eures Wohnzimmers, und werft eure geplanten 3-Minuten-Eier von da aus in den Topf auf der Herdplatte (nicht möglich bei Wohnverhältnissen a la Monsieur Federer, das ist dann doch eine zu grosse Distanz). Somit resultierte ein Pausenstand von 3:3, und auch in der zweiten Hälfte des Spiels änderte sich an der ausgeglichenen Chancenbilanz nichts, auch wenn die Beine unsererseits zunehmend schwerer wurden. Trotzdem wurden weitere Tore erzielt, einmal „dreckiger“, einmal schöner, und wir feierten mit einem fairen 5:5 Endresultat unseren ersten Punkt in dieser noch jungen Saison. Nicht zu vergessen, dass auch unsere neuen Spielerinnen Olivia, Alena, Anna und Marina einen Wahnsinns Job erledigt haben (ich vergesse ja immer wieder einmal gerne, wie jung einige davon sind) – so gut musst du dich erst einmal in ein Team einfügen. Den Applaus der mitgereisten Fans hatten sich die Eschi-Girls redlich verdient!

Das alleine ist schon schön, doch noch schöner waren die Reaktionen unserer Spielerinnen danach in der Kabine:
„Das hat richtig Spass gemacht, so zu spielen!“
„Wie geil wird denn das erst, wenn alle Spielerinnen am Match dabei sind?“

Jaja, bei 11 Toren in zwei Spielen dürfen wir uns doch ein erstes Mal auf die Schultern klopfen, das war eine sackstarke Leistung, und wird bestimmt nicht die letzte gewesen sein. Wir hatten zwei schwere Winter, doch jetzt füllen wir gemeinsam die Körbe bis zum Rand.

 

 

Fabian Eicher